Bevor ich noch einmal nachsehe

Manchmal greifen wir zum Handy, bevor wir überhaupt bemerkt haben, dass wir etwas suchen.

Wir öffnen die Nachrichtenseite noch einmal.

Wir prüfen, ob es eine neue Meldung gibt.

Wir schauen nach, ob sich etwas verändert hat.

Vielleicht ist tatsächlich etwas Neues geschehen.

Vielleicht aber auch nicht.

Und trotzdem war da dieser Impuls: noch einmal nachsehen.

Der Moment vor dem Öffnen

Der Griff zum Handy geschieht oft schnell.

Eine kurze Pause. Ein Moment des Wartens. Ein Gedanke an das, was wir zuvor gelesen haben.

Schon ist die Seite geöffnet.

Dieser Rückkehrpunkt beginnt nicht damit, dass wir uns das Nachsehen verbieten.

Er beginnt einen Augenblick früher.

Dort, wo wir bemerken:

Ich möchte gerade wieder nachsehen.

Mehr braucht es zunächst nicht.

Was suche ich gerade?

Bevor du die Nachrichtenseite öffnest, halte für einen Moment inne.

Frage dich:

Erwarte ich eine konkrete neue Information?

Muss ich aufgrund einer Entwicklung heute etwas entscheiden?

Oder möchte ich vor allem wissen, ob sich das ungute Gefühl inzwischen aufgelöst hat?

Manchmal brauchen wir tatsächlich eine aktuelle Information.

Dann dürfen wir nachsehen.

Doch manchmal suchen wir weniger nach einer Nachricht als nach Beruhigung.

Wir hoffen, dass eine neue Meldung endlich Klarheit bringt.

Dass jemand Entwarnung gibt.

Dass eine offene Frage geschlossen wurde.

Dass die Welt inzwischen wieder übersichtlicher geworden ist.

Doch nicht jede Unsicherheit lässt sich durch eine weitere Aktualisierung beenden.

Hat sich etwas verändert?

Auch diese Frage kann helfen:

Hat sich seit meinem letzten Blick wahrscheinlich etwas Wesentliches verändert?

Wenn wir vor wenigen Minuten nachgesehen haben, lautet die Antwort oft nein.

Dann öffnen wir nicht unbedingt eine neue Information.

Wir öffnen denselben inneren Zustand erneut.

Das Thema erhält wieder Aufmerksamkeit.

Der Körper geht erneut in Bereitschaft.

Die Gedanken beginnen wieder dort, wo sie zuvor aufgehört hatten.

Das Nachsehen dauert vielleicht nur einige Sekunden.

Was es in uns auslöst, kann länger bleiben.

Einmal bewusst entscheiden

Du musst nicht immer verzichten.

Du kannst dich bewusst entscheiden:

Ich sehe jetzt nach, weil ich eine bestimmte Information brauche.

Oder:

Ich sehe später zu einer festgelegten Zeit nach.

Oder:

Für heute weiß ich genug.

Diese Entscheidung muss nicht endgültig sein.

Sie gilt nur für diesen Moment.

Gerade darin liegt ihre Kraft.

Du musst nicht entscheiden, wie du künftig für immer mit Nachrichten umgehen wirst.

Du entscheidest nur, ob du diesen einen Impuls automatisch ausführst.

Zurück zu dem, was gerade da ist

Wenn du dich entscheidest, nicht nachzusehen, richte deine Aufmerksamkeit nicht sofort auf den nächsten Gedanken.

Bemerke kurz den Ort, an dem du bist.

Was wolltest du gerade tun?

Wer ist bei dir?

Welche Aufgabe liegt vor dir?

Was braucht dein gegenwärtiges Leben im Moment wirklich von dir?

Vielleicht nur einen nächsten kleinen Schritt.

Das Handy weglegen.

Den Kaffee austrinken.

Einem Menschen zuhören.

Die Arbeit fortsetzen.

Nach draußen gehen.

Nichts davon macht das Weltgeschehen unbedeutend.

Es erinnert nur daran, dass dein Leben nicht erst später weitergeht.

Es findet jetzt statt.

Für diesen Moment

Bevor ich noch einmal nachsehe, kann ich kurz fragen:

Brauche ich eine neue Information?

Oder suche ich nach einer Sicherheit, die mir keine weitere Meldung geben kann?

Manchmal werde ich trotzdem nachsehen.

Manchmal lege ich das Handy wieder weg.

Entscheidend ist nicht, es immer richtig zu machen.

Entscheidend ist, dass zwischen Impuls und Handlung wieder ein kleiner Raum entsteht.

Ein Raum, in dem ich wählen kann.

Weitergehen

Dieser Rückkehrpunkt knüpft an die Übung „Was eine Nachricht in mir zurücklässt“ an. Dort kannst du genauer wahrnehmen, was eine Meldung in deinen Gedanken, deinem Körper und deinem Alltag weiterführt.

Was eine Nachricht in mir zurücklässt →

Weitere Beiträge dieser Reihe findest du unter:

Mitten in der Welt →