Warum Rückkehr wichtiger ist als Suche

Wenn Suche selbst unruhig macht

Es gibt Zeiten, in denen wir sehr viel suchen.

Wir suchen nach Klarheit.
Nach Ruhe.
Nach Antworten.
Nach einem besseren Gefühl.
Nach einem Weg, der endlich stimmt.

Manchmal suchen wir auch nach uns selbst.

Und oft klingt das zunächst richtig. Denn wenn etwas in uns unruhig ist, wenn wir uns fremd fühlen oder wenn der Alltag zu laut wird, entsteht fast automatisch der Wunsch, etwas zu finden, das uns wieder Halt gibt.

Aber vielleicht liegt genau hier eine leise Verwechslung.

Vielleicht fehlt uns nicht immer etwas.
Vielleicht verlieren wir nur sehr oft den Kontakt zu dem, was längst da ist.

Wir verlieren ihn, wenn wir innerlich eilig werden.
Wenn wir jedem Gedanken folgen.
Wenn wir ständig reagieren.
Wenn wir uns vergleichen.
Wenn wir funktionieren, obwohl etwas in uns stiller werden möchte.
Wenn wir im Kopf nach Lösungen suchen, während der Körper längst nach einer Pause fragt.

Dann beginnt die Suche manchmal selbst zur Unruhe zu werden.

Wir denken mehr.
Wir lesen mehr.
Wir planen mehr.
Wir wollen uns verbessern, verstehen, ordnen, klären.

Doch nicht jede Bewegung bringt uns näher zu uns selbst.
Manchmal entfernt uns gerade das viele Suchen von dem einfachen Moment, der bereits da ist.

Was Rückkehr eigentlich meint

Rückkehr meint deshalb nichts Großes.

Rückkehr bedeutet nicht, plötzlich vollkommen ruhig zu sein.
Nicht, alles verstanden zu haben.
Nicht, immer gelassen zu bleiben.

Rückkehr beginnt viel kleiner.

Ein Atemzug, den wir wirklich bemerken.
Die Füße auf dem Boden.
Eine Hand, die wieder gespürt wird.
Ein kurzer Moment, in dem wir merken: Etwas zieht mich gerade weg. Ich bin nicht ganz da.

Dieser Moment ist unscheinbar.
Aber er ist wichtig.

Denn bevor wir etwas verändern können, müssen wir bemerken, wo wir gerade sind.

Der erste Schritt ist Bemerken

Vielleicht ist das der erste wirkliche Schritt im Raum:
nicht sofort besser werden zu wollen, sondern ehrlicher wahrzunehmen.

Bin ich gerade bei mir?
Oder bin ich in Gedanken, Druck, Erwartung oder Reiz verschwunden?

Diese Frage braucht keine schnelle Antwort.
Sie öffnet nur einen kleinen Spalt.

Und manchmal reicht genau das.

Denn Rückkehr ist kein einmaliger Zustand.
Sie ist eine Bewegung, die wir immer wieder lernen.

Wir verlieren uns.
Wir bemerken es.
Wir kommen zurück.

Nicht als Fehler.
Nicht als Scheitern.
Sondern als Weg.

Vielleicht ist echte Klarheit deshalb weniger ein Ziel in der Ferne.
Vielleicht entsteht sie eher dort, wo wir lernen, den Kontakt zu uns selbst im Alltag nicht ganz so leicht zu verlieren.

Und wenn wir ihn doch verlieren, früher zurückzukehren.

Nicht mit Druck.
Nicht mit Härte.
Sondern mit einem einfachen Innehalten.

Hier.
Jetzt.
Ein Atemzug.
Ein Körper.
Ein Moment.

Vielleicht beginnt genau dort der Raum.

<- Zurück zu „Der Raum“